Abkürzungen zu wohlklingenden Titeln
Der Handel mit akademischen Graden und Titeln blüht. In Rumänien ist seit dem Sturz Ceausescus eine dubiose Fern-Uni namens Spiru-Haret aktiv, die in den letzten zwei Jahrzehnten zehntausende akademischer Titel unter recht dubiosen Bedingungen verliehen hat. Ehemalige Kader des Regimes fungieren hier als Dozenten und vergeben Titel zu Spottpreisen. Das Modell erwies sich als so erfolgreich, dass diese Privat-Uni mittlerweile Filialen in New York, Toronto und Berlin gegründet hat. Was im Ausland eher als Ärgernis anzusehen ist, entwickelt sich für Rumänien zum echten Problem: Unter den selbst ernannten Eliten des Landes befinden sich tausende Spiru-Haret-Absolventen, die sich mit höchsten akademischen Graden schmücken, aber über keine auch nur halbwegs entsprechende Qualifikation verfügen.
Noch einfacher geht’s in den USA
Die Rumänen verlangen für ihr Fernstudium immerhin noch rund 500 Euro pro Jahr. Wer einen noch schnelleren und billigeren Weg zum Doktortitel sucht, wendet sich an entsprechende „Glaubensgemeinschaften“ in den USA, die aus den dortigen Sonderrechten für jede Art von selbst ernannter Kirche ein Geschäftsmodell entwickelt haben. Sie verleihen als Dank für eine Spende kirchliche Ehrentitel. Wie es der Zufall will, nennen sie diese Titel Dr. h.c. und Professor h.c. Die Auswahl an Titeln, die beispielsweise die Miami Life Development Church (MLDC) anbietet, ist groß: Wie wäre es mit „Dr. of Exorcisms“? Oder vielleicht doch lieber „Dr. of Feng Shui“? Das Ganze gibt’s zum Schnäppchenpreis. Der Doktortitel kostet nur 39 Euro, Professor wird man für 150 Euro. Unklar ist, ob man diese Titel in Deutschland überhaupt führen darf. Klar ist, dass sich strafbar macht, wer den Eindruck erweckt, einen echten akademischen Titel zu führen. Aber ein „Dr. of Feng Shui, MLDC Institute (USA)“ auf der Visitenkarte könnte vielleicht sogar noch durchgehen. Das behaupten zumindest die Anbieter, die diese Titel in Deutschland unter doktortitel-kaufen.net anbieten. Die Argumentation der Anbieter mutet fast schon amüsant an: Es handele sich nicht um gekaufte – und damit nicht führbare – Titel, sondern um Ehrentitel, die gegen eine Spende verliehen werden. Entscheidend sei allein, dass die MLDC in ihrem Heimatland berechtigt sei, diese kirchlichen Ehrentitel zu verleihen. Eine gerichtliche Klärung steht noch aus, aber Zweifel sind angebracht. Klar ist Lage hingegen in Österreich: Dort ist das Führen dieser Titel strafbar.


