Plagiatsaffären sind kein deutsches Phänomen
Auch andere Länder haben ihre Plagiatsaffären, in einer Doktorarbeit abzuschreiben ist weltweit eine beliebte Abkürzung zum begehrten Doktortitel. Hart trifft es gegenwärtig Ungarn, wo ausgerechnet der erste Mann im Staat der Schummelei überführt wurde. Der ungarische Staatspräsident Pal Schmitt hat offenbar immerhin 180 von insgesamt 250 Seiten seiner Doktorarbeit schlicht abgeschrieben. Dabei hat er sich deutlich weniger geschickt angestellt, als es die deutsche Abschreiber-Fraktion getan hat. Selbst das Zusammenkopieren aus zahlreichen Quellen war ihm offenbar zu aufwändig, er schrieb einfach fast eine komplette Arbeit des bulgarischen Sportwissenschaftlers Nikolai Georgijew ab.
Alles kein Problem!
Einiges an der ungarischen Affäre mutet vertraut an, anderes eher nicht. Der ungarische Präsident wurde durch die Gunst des Regierungschefs Orban in dieses Amt gehievt und scheint dort unantastbar zu sein, solange dieser seine schützende Hand über ihn hält. Eine eher ungarische Spezialität ist jedoch die weitreichende Kontrolle der Medien durch die Politik, wodurch eine intensive Berichterstattung spürbar behindert wird und der Skandal daher auf vergleichsweise kleiner Flamme vor sich hin köchelt. Das macht auch die Selbstverteidigung der Betroffenen gleich viel einfacher: Wer die Einhaltung internationaler rechtsstaatlicher Standards und demokratischer Prinzipien fordert, verletze damit die ungarische Souveränität, ließ der Präsident ausländische Diplomaten wissen. Verglichen damit wirkt selbst der Freiherr zu Copy-and-Paste kleinlaut.


