Widerspruch gegen die Bewertung einer Masterarbeit

Auf dieser Seite erfahren Sie alles, was Sie beim Einlegen eines Widerspruchs gegen die Bewertung Ihrer Masterarbeit beachten müssen – in Deutschland.

Erfolg seit 2004
Benotung

Wann ist ein Widerspruch sinnvoll?

Die Einlegung eines Widerspruchs gegen die Benotung einer Masterarbeit ist für Studierende im letzten Versuch, deren Arbeit mit ‚nicht bestanden‘ bewertet wurde, ein essenzieller Akt, der den erfolgreichen Abschluss des Studiums sichern kann. Doch auch wenn die Möglichkeit besteht, eine weitere Masterarbeit zu schreiben, es sich also noch nicht um den ‚letzten Versuch‘ handelt, ist es wichtig, sich mit der Benotung der ersten Prüfungsleistung auseinanderzusetzen. Ob ein Widerspruch gegen eine schlechte Bewertung erfolgreich sein kann, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Die Bewertungen von Prüfungsleistungen Studierender sind nicht generell anfechtbar. Allerdings ist die Bewertung von Abschlussleistungen aufgrund der grossen Bedeutung für die weitere universitäre und berufliche Laufbahn stets anfechtbar. Angefochten werden kann die Bewertung einer Prüfungsleistung wegen Verfahrens- und wegen Bewertungsfehlern.

Bei einem solchen Widerspruchsverfahren handelt es sich um ein öffentliches Verfahren. Bei der Einlegung eines Widerspruchs gegen die negative Bewertung einer Masterarbeit handelt es sich um ein förmliches Widerspruchsverfahren nach §§ 68 ff. VwGO.

Vergleich

Widerspruch versus Remonstration

Neben dem Widerspruch steht Studierenden auch das sogenannte Remonstrationsverfahren als Option offen, welches ebenfalls dem Anspruch der Studierenden aus Art. 12 I 1 GG auf eine rechtmässige Bewertung der Prüfungsleistungen Rechnung trägt. Es handelt sich beim Remonstrationsverfahren im Gegensatz zum Widerspruchsverfahren aber um ein verwaltungsinternes Verfahren, bei dem Betroffene ebenfalls ihre Auffassung bezüglich der Bewertung der eigenen Leistung darlegen können. In der Regel genügt es hier, die Gründe für eine ungerechtfertigte Bewertung schriftlich darzulegen und beim Prüfungsamt einzureichen.


Hinweis

Einer der wichtigsten Unterschiede zwischen Widerspruch und Remonstration? Während das Widerspruchsverfahren verwaltungsrechtlich von Universitäten in Deutschland ermöglicht werden muss, sind Remonstrationsverfahren zwar in den Prüfungsordnungen vieler Universitäten vorgesehen – aber nicht in allen.

Analyse

Fehleranalyse: Warum wurde eine Masterarbeit schlecht bewertet?

Die inhaltliche Überprüfung der Bewertungsleistung ist möglich und empfehlenswert, wenn Bewertungsfehler vermutet werden. Dabei kommt es darauf an, weshalb eine Masterarbeit schlecht bewertet worden ist. Aus der Begründung für die negative Bewertung ergeben sich demnach auch die Gründe für eine mögliche Anfechtung der Bewertung. Dementsprechend ist es von zentraler Bedeutung, dass Studierenden Akteneinsicht gewährt wird, damit diese eine Chance haben, Bewertungsfehler überhaupt zu entdecken.

Häufige Fehler in eingereichten Prüfungsleistungen, die zu schlechten Bewertungen führen können, sind die folgenden:

  • Plagiate: Richtiges Zitieren und die Angabe aller Quellen, die verwendet wurden, sind die Grundpfeiler wissenschaftlichen Arbeitens. Wird dies sichergestellt, dürfte eine mangelhafte Note in vielen Fällen vermieden werden. Dennoch kommt es immer wieder vor, dass Studierende aufgrund von Plagiaten negativ bewertet werden. Um herauszufinden, ob in einer Arbeit plagiiert wird, verwenden Hochschulen sogenannte Plagiat-Scanner, die auf Grundlage eines Prozentwerts angeben, wie gross der Anteil übernommener Formulierungen ist. Werte unterhalb von 5 % sind meist unkritisch zu bewerten, wobei jedoch im Detail zu prüfen ist, ob ein Plagiat vorliegt oder nicht. Zu beachten ist: Schon ein einzelner vollständig übernommener und nicht korrekt belegter Absatz kann zu einem ‚Nicht bestanden‘ aufgrund eines Plagiats führen.
  • Mangelnde Wissenschaftlichkeit der Prüfungsleistung: Auch in wissenschaftlicher Hinsicht darf eine Masterarbeit keine gravierenden Fehler aufweisen. Neben Schwächen in der Zitation sind es vor allem eine fehlende Kohärenz und Begründung der eigenen Schlussfolgerungen, aber auch das Fehlen wichtiger empirischer Methoden, die bei einer Masterarbeit dazu führen, dass Prüfer*innen der Arbeit mangelnde Wissenschaftlichkeit vorwerfen. Werden diese Fehler gemacht, mangelt es an einer intersubjektiven Nachvollziehbarkeit der einzelnen Aussagen, da die Ergebnisse nicht systematisch hergeleitet wurden, sondern scheinbar aus dem Nichts auftauchen.
  • Formale Fehler im Aufbau der Arbeit: Häufig wird auch das Fehlen des berühmten roten Fadens bei einer Masterarbeit bemängelt. Dabei handelt es sich um einen schwerwiegenden Fehler, da die einzelnen Themenschwerpunkte zusammenhangslos und für Prüfer*innen nicht nachvollziehbar aneinandergereiht werden.
  • Mangelnde wissenschaftliche Eigenleistung: Auch das Fehlen einer eigenen Leistung stellt einen gravierenden Fehler dar, der die inhaltliche Bewertung einer Arbeit schlecht ausfallen lässt. Während in Bachelorarbeiten häufig ‚nur‘ das systematische Aufarbeiten des bestehenden Forschungsdiskurses verlangt wird, ist spätestens beim Anfertigen der Masterarbeit das Einbringen einer wissenschaftlichen Eigenleistung ein absolutes Muss. Fehlt diese, kann sich das sehr nachteilig auf die Bewertung der Leistung auswirken, denn das eigentliche Ziel einer Masterarbeit wird verfehlt.

Hinweis

Bei Plagiaten gilt: Unwissen schützt vor Strafe nicht. Die meisten Plagiatsfälle dürften nicht auf bewusstes Abschreiben zurückzuführen sein, sondern auf Schwächen im wissenschaftlich korrekten Umgang mit Quellmaterial.

Gründe

Was müssen Sie bei der Einlegung eines Widerspruchs beachten?

Die Anfechtung durch die Einlegung eines Widerspruchs eröffnet Studierenden die Möglichkeit der Eröffnung eines Verwaltungsverfahrens. Bei dem Widerspruch handelt es sich nach § 69 VwGO um ein Vorverfahren, welches in vielen Fällen notwendig ist, um ein Verwaltungsverfahren, d. h. die gerichtliche Überprüfung einer Entscheidung einer öffentlichen Stelle durch die Gerichte, zu veranlassen. Alle Studierenden haben einen Anspruch darauf, Widerspruch gegen die ihrer Meinung nach ungerechte Bewertung einer Masterarbeit einzulegen. Das Widerspruchsverfahren ist dabei in den einzelnen Hochschulordnungen geregelt. So gibt es auch landesrechtliche Vorschriften, die eine direkte Klage gegen eine unangemessene Bewertung zulassen. Im Gegensatz zu einer verwaltungsgerichtlichen Klage ist das Widerspruchsverfahren für die betroffenen Studierenden nicht mit Kosten verbunden, solange keine anwaltliche Unterstützung für die Durchsetzung des Rechts auf eine erneute Bewertung der angefochtenen Prüfungsleistung hinzugezogen wird.


Hinweis

Ein Widerspruch gegen die Bewertung einer Prüfungsleistung ist schriftlich und unterschrieben bei dem entsprechenden Prüfungsamt der Hochschule einzureichen.

Nach dem Verwaltungsverfahrensgesetz gilt für die Einreichung eine Frist von vier Wochen nach Bekanntgabe der Bewertungen, wobei in den einzelnen Hochschulordnungen teilweise auch deutlich längere (nie aber kürzere!) Fristen eingeräumt werden können.

Support

Hilfe bei der Einlegung eines Widerspruchs

Hilfe beim Widerspruch gegen die Bewertung Ihrer Masterarbeit.

Hilfe beim Widerspruch
Anfechtung

Welche Anfechtungsgründe gibt es?

Als Vorverfahren für die Eröffnung eines verwaltungsgerichtlichen Verfahrens zur Überprüfung der Bewertung können auch in dem Widerspruchsverfahren zwei Aspekte angefochten werden:

  • Offene oder verdeckte Verfahrensfehler, die das formale Prüfungsverfahren betreffen
  • Bewertungsfehler, die die inhaltliche Prüfungsleistung betreffen

Zu den verdeckten Verfahrensfehlern zählen willkürliche oder sachfremde Erwägungen bei der Bewertung, sodass die beiden Anfechtungsgründe nicht immer eindeutig voneinander zu trennen sind. Streng genommen stellen auch Bewertungsfehler Verfahrensfehler dar. Die erfolgreiche Anfechtung von Verfahrensfehlern führt in der Regel zu einer Aufhebung des Verfahrens, d. h., die davon betroffenen Studierenden können ihre Masterarbeit noch einmal schreiben. Da die Prüfung der Bewertungsfehler nachrangig zur Prüfung der Verfahrensfehler erfolgt, sollten solche Fehler nur dann angefochten werden, wenn eine Wiederholung der Prüfungsleistung durch Studierende auch tatsächlich gewünscht ist. Offene Verfahrensfehler sind ein sicherer Anfechtungsgrund.

Die Geltendmachung von Bewertungsfehlern kann hingegen mit Risiken behaftet sein, da diese häufig einen Ermessenspielraum eröffnen. Auch können einzelne Bewertungsfehler zwar erfolgreich angefochten werden, in der Gesamtschau der abgelegten Prüfungsleistung aber von so geringer Relevanz sein, dass die Bewertung der Leistung dennoch nicht besser ausfällt. Auch sollten sich Studierende darüber im Klaren sein, dass in vielen Fällen die Note nicht deutlich verbessert wird. Wenn Studierende einfach nur bestehen wollen, können sie mit einem Widerspruch gegen die inhaltliche Bewertung der Prüfungsleistung jedoch Erfolg haben und eine ausreichende Höherbewertung der Prüfungsleistung erreichen.

 

Download

Musterwiderspruch zum Download

Laden Sie hier einen exemplarischen Musterwiderspruch herunter.

Musterwiderspruch Master