KI im Studium 2026: Ergebnisse einer empirischen Befragung

Hier finden Sie die Ergebnisse einer Befragung von 402 Studierenden aus der D-A-CH-Region zum Umgang mit KI und den Einstellungen gegenüber KI. Zwischen grenzenlosem Potenzial und wissenschaftlichem Risiko zeigt die Studie, wie KI das Studieren verändert und warum die Skepsis gegenüber der Qualität KI-generierter Inhalte wächst.

Der digitale Kommilitone: Ergebnisse einer Umfrage unter 402 Studierenden

Wir haben 402 Studierende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu ihrem Umgang mit generativer Künstlicher Intelligenz befragt, um ein authentisches Bild der aktuellen Nutzungsmuster, ethischen Überzeugungen und Zukunftserwartungen im Hochschulalltag zu zeichnen. Die Daten wurden per Online-Befragung zwischen dem 08.09.2025 und dem 02.12.2025 erhoben.

1. KI-Kenntnisse und Nutzungshäufigkeit durch die Studierenden

„Wie schätzen Sie Ihre eigenen Kenntnisse über generative KI ein?“

Diagramm KI-Kenntnisse

„Wie häufig nutzen Sie KI im Studium?“

Diagramm Nutzungshäufigkeit KI

Die Befragten weisen ein hohes Vertrauen in ihre KI-Kompetenz auf: Rund 57% schätzen ihre Kenntnisse als ‚gut‘ oder ’sehr gut‘ ein. Dies spiegelt sich in der Praxis wider, da über die Hälfte der Studierenden (57%) generative KI-Tools mindestens mehrmals pro Woche oder sogar täglich im Studium nutzt.

2. Verwendete KI-Modelle

ChatGPT dominiert den Studienalltag als unangefochtener Marktführer: Über 60% der Befragten nutzen das Tool mindestens mehrmals pro Woche. Im starken Kontrast dazu stehen spezialisierte Anwendungen wie Elicit oder Stable Diffusion, die von einer grossen Mehrheit der Studierenden (über 70%) noch nie verwendet wurden.

3. Wofür wird KI konkret verwendet und wo liegen ethische Grenzen der Studierenden?

Diagramm Nutzungszwecke KI

Basis: 5-stufige Skala (1: nie, 2: selten, 3: gelegentlich, 4: oft, 5: immer). Dargestellt sind kumulierte Werte der Kategorien 4 und 5.

KI-Tools werden primär für unterstützende Tätigkeiten eingesetzt: Die allgemeine Recherche (48,4%) sowie die sprachliche Überarbeitung (47,8%) und das Zusammenfassen von Texten (46,5%) bilden die Top-Anwendungsbereiche. Komplexe kreative oder prüfungsrelevante Aufgaben wie die Bildgenerierung oder das Erstellen ganzer Arbeiten werden hingegen deutlich seltener an die KI delegiert.

Diagramm ethische Bewertung KI nach Zwecken

Studierende unterscheiden bei der KI-Nutzung klar zwischen legitimer Unterstützung und kritischen Eingriffen in die Eigenleistung: Während rein unterstützende Formate wie das Brainstorming (63,3%) oder die sprachliche Überarbeitung (60,9%) als weitgehend unbedenklich eingestuft werden, herrscht bei der Delegation ganzer Aufgaben ein hohes Unrechtsbewusstsein. Das Generieren vollständiger Arbeiten wird von über 70% der Befragten als ethisch bedenklich bewertet, wobei die Kategorie ‚klar bedenklich‘ mit 56,7% den deutlichen Schwerpunkt bildet.

4. Fehleranfälligkeit und wissenschaftliche Qualität des KI-Outputs

„Wie häufig erleben Sie, dass KI-Tools inhaltlich fehlerhafte oder unvollständige Ergebnisse liefern?“

Diagramm wahrgenommene Häufigkeit KI-Fehler

„Wie schätzen Sie die Qualität KI-generierter Texte im Hinblick auf wissenschaftliche Anforderungen ein?“

Diagramm wahrgenommene wissenschaftliche Qualität KI

Trotz der intensiven Nutzung im Studienalltag wird die inhaltliche Verlässlichkeit von KI-Tools kritisch bewertet: Fast die Hälfte der Befragten (45,1%) gibt an, ‚oft‘ fehlerhafte Ergebnisse zu erhalten. Parallel dazu herrscht Uneinigkeit über die wissenschaftliche Qualität der Outputs, wobei die Mehrheit (52,1%) diese lediglich als ‚teils gut / teils schlecht‘ einstuft.

5. KI-bezogene Angebote und Erwartungen an den Studiengang

„Wie bewerten Sie das Angebot in Ihrem Studium zum Kompetenzerwerb im Umgang mit Künstlicher Intelligenz?“

Diagramm KI-Angebot Studiengang

„Wie viel Orientierung gibt Ihnen Ihr Studiengang zum korrekten und erlaubten Einsatz von KI?“

Diagramm KI-Orientierung Studiengang

Die institutionelle Vermittlung von KI-Kompetenzen wird von den Studierenden kritisch gesehen: 46,9% bewerten das aktuelle Angebot als ’schlecht‘ oder ’sehr schlecht‘. Zudem herrscht ein massives Informationsdefizit seitens der Institutionen. Über die Hälfte der Studierenden (54%) gibt an, von ihrem Studiengang ‚viel zu wenig‘ oder ‚zu wenig‘ Orientierung zum korrekten und erlaubten Einsatz von KI zu erhalten.

„Welche Erwartungen haben Sie an Ihren Studiengang bezüglich KI?“

Diagramm Erwartungen Studiengang

Basis: 5-stufige Skala (1: stimme überhaupt nicht zu, 2: stimme eher nicht zu, 3: weder noch, 4: stimme eher zu, 5: stimme stark zu). Dargestellt sind kumulierte Werte der Kategorien 4 und 5.

„Wie schätzen Sie die Bedeutung von KI-Kompetenzen für Ihren eigenen späteren Beruf ein?“

Diagramm Bedeutung KI-Kompetenzen

Über 43,4% der Befragten messen KI-Kompetenzen eine (sehr) hohe Bedeutung für ihre spätere Karriere bei. Entsprechend besteht ein massiver Wunsch nach Modernisierung, wobei vor allem der Zugang zu Profi-Tools (61,6%) und eine stärkere Integration von KI in die Lehre (53,5%) sowie ein einheitlicher Umgang (52,8%) seitens der Lehrenden gefordert werden.

6. Bewertungen gesellschaftlicher Implikationen der KI-Entwicklung

Diagramm Bewertung gesellschaftliche Implikationen KI

Basis: 5-stufige Skala (1: stimme überhaupt nicht zu, 2: stimme eher nicht zu, 3: weder noch, 4: stimme eher zu, 5: stimme stark zu). Dargestellt sind kumulierte Werte der Kategorien 4 und 5.

Die Studierenden blicken mit einer Mischung aus Optimismus und Vorsicht auf die KI-Entwicklung: Während eine deutliche Mehrheit eine grundlegende Veränderung des Lernens (66,2%) erwartet und bessere Berufschancen (52,6%) sieht, fordern gleichzeitig 63,7% klare Regelungen und Einschränkungen. Zudem ist die Sorge um negative gesellschaftliche Folgen mit 58,1% (Top-2-Box) stark ausgeprägt.

7. Zusammensetzung der Stichprobe

Diagramm Geschlecht Diagramm Alter

Das Teilnehmerfeld zeichnet sich durch ein balanciertes Verhältnis zwischen den Geschlechtern aus. Die Altersstruktur ist geprägt von der Gruppe der 18- bis 30-Jährigen, während Studierende über 42 Jahre eine Randgruppe (ca. 3,3 %) bilden (Ø 27 Jahre).

Diagramm Anzahl Fachsemester Wortwolke Faecher
x-Achse: Fachsemester Grössere Wörter wurden von den Studierenden häufiger als Studienfach genannt

Die grösste Gruppe der Befragten studiert im dritten Fachsemester. Besonders häufig vertretene Studiengänge sind Informatik, BWL, Psychologie und Mathematik.

Diagramm angestrebter Abschluss Diagramm Studienform

Dominanz grundständiger Abschlüsse: Mit einem kombinierten Anteil von rund 80% bilden Studierende im Bachelor- (48,7%) und Masterstudium (31,4%) die mit Abstand grösste Gruppe der Befragten.

Präferenz für klassische Studienformen: Die überwältigende Mehrheit der Teilnehmenden (83,8%) absolviert ihr Studium als klassisches Präsenzstudium, während alternative Formate wie Fern- oder duales Studium jeweils nur einen einstelligen Prozentsatz erreichen.

Diagramm Herkunft Laender Wortwolke Universitaeten

Grössere Wörter wurden von den Studierenden häufiger als Universität bzw. Universitätsstadt angegeben

Unsere Datenbasis vereint Stimmen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum, mit einer starken Repräsentanz deutscher Studierender sowie Teilnehmenden aus Österreich (9,8%) und der Schweiz. Die Wortwolke illustriert dabei die erfasste Campus-Vielfalt: Über 100 verschiedene Hochschulstandorte fliessen in die Ergebnisse ein und garantieren so eine standortübergreifende Perspektive auf die KI-Nutzung.

Studienergebnisse zum Download:

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