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Wissenschaftliche Arbeit veröffentlichen

Das Veröffentlichen von wissenschaftlichen Arbeiten liegt nahe. Wenn man sich schon die Mühe der Recherche, evtl. auch noch einer empirischen Untersuchung und des Schreibens gemacht hat, dann ist es doch auch gut, damit an die Öffentlichkeit treten zu können: Das macht einen selbst bekannt und bringt vielleicht auch noch Geld. Zumindest erhofft man sich das.
Betrachtet man die Realitäten, sieht das Ganze schon ein wenig differenzierter aus.

Dissertationen publizieren

Beginnen wir einmal bei denen, die die Früchte ihrer geistigen Arbeit publizieren müssen: Wer seine Doktorarbeit schreibt, muss in Deutschland deren Publikation nachweisen, um seinen Titel führen zu dürfen. Die Auflage beträgt 300 bis 400 Exemplare.
Es existieren diverse Verlage, die sich speziell auf diesen Bereich spezialisiert haben und – gegen Druckkostenzuschuss – die Publikation übernehmen. Natürlich gibt es auch diverse wissenschaftliche Verlage, in deren Programm die entsprechende Arbeit vielleicht passen würde. Aber trotzdem ist hier meist die Konkurrenz einfach zu groß. Wer zuvor noch nichts Entsprechendes publiziert hat, und also ein Unbekannter auf dem Markt wissenschaftlicher Literatur ist, wird große Schwierigkeiten haben, hier zu reüssieren – es sei denn, sein Thema ist außergewöhnlich interessant und verkaufsträchtig.

Neben den klassischen Dissertationsverlagen offeriert die Verlagsbranche natürlich auch noch andere Angebote von Dienstleistern wie etwa Books on Demand (BOD). Hier zu publizieren mag ggf. sogar preisgünstiger sein, aber es ist eben kein rein akademisches Sortiment, sondern – thematisch gesehen – ein Gemischtwarenladen. Da ist der akademische Verlag für die Reputation stets vorzuziehen.

Veröffentlichungen in Zeitschriften

Die Chance auf eine größere Publikation steigt, wie gesagt, wenn man sich schon einen Namen in seinem Fach erworben hat. Es ist möglich, aber nicht leicht, auch kürzere Arbeiten zu publizieren. Hierfür bieten sich Sammelbände zu einem Thema an oder Beiträge für Zeitschriften. Wo immer sich die Möglichkeit ergibt, etwa im Kontext eines Forschungsvorhabens, allein oder mit anderen zu veröffentlichen, sollte man diese wahrnehmen.
Wer gern und gut schreibt, der kann auch einen anderen Weg wählen. Er oder sie sollte sich die für ihn oder ihr Spezialgebiet relevanten Fachzeitschriften ansehen und feststellen, ob diese z. B. regelmäßig Rezensionen über neue wissenschaftliche Titel veröffentlichen. Wenn ja, dann muss man nur noch den Mut zusammennehmen und eine Anfrage an die Redaktion richten, ob sie noch an Rezensenten interessiert sei. Ist die Antwort "ja", dann sollte man entsprechende Dienste anbieten, auch wenn es dafür kein Honorar gibt. Wichtig ist es, „einen Fuß in die Tür“ zu bekommen. Hat man einmal einen Kontakt hergestellt und mit den eigenen Rezensionen überzeugt, kann man auch mehr anbieten.

Letzten Endes ist dies auch nur eine Form von Öffentlichkeitsarbeit für die eigene Person – und Öffentlichkeitsarbeit funktioniert immer nach dem Lawinenprinzip. Man bringt zunächst einen Schneeball ins Rollen, nutzt jede sich daraus ergebende neue Möglichkeit, um auf sich aufmerksam zu machen, und baut so mit der Zeit eine Reputation auf, die schließlich voluminös genug ist, um als „Lawine“ auch für den ganz großen Effekt zu sorgen.

Die Voraussetzungen dafür sind nicht nur Fachwissen, literarisches Talent und Kommunikationsgeschick, sondern auch Geduld, Zielorientierung und strategisches Denken.

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Strategische Vorüberlegungen

Ein wichtiger strategischer Gedanke für alle, die diesen Weg beschreiten wollen, ist die Auswahl der richtigen Fachzeitschriften. Ein Kriterium wurde hier bereits genannt: die Affinität der Redaktion zum jeweils eigenen Studienfach und/oder zu bestimmten Themen innerhalb dieses Fachs.
Ebenso bedeutsam ist – zumindest für manche wissenschaftliche Disziplinen – das Ranking des jeweiligen Titels oder auch des Wissenschaftsportals (denn die gleichen Bedingungen finden sich auch bei Publikationsorganen im Internet). 

Je mehr die Beiträge einer Zeitschrift oder eines Portals von anderen Fachorganen zitiert werden, desto höher wird diese Zeitschrift oder dieses Portal im internationalen Ranking eingestuft. Daraus erklärt sich bereits die Einschränkung „für manche wissenschaftliche Disziplinen“, denn je spezieller ein Fach, desto kleiner die Zielgruppe: je kleiner die Zielgruppe, desto geringer die Fachpresse und damit auch die Zahl der Verweise.

Eines sollte allerdings allen klar sein, die Publikationen in Organen mit hohem Ranking anstreben: Hier wird im Peer-Review-Verfahren über die Veröffentlichung von Texten entschieden. D. h. es wird jeder eingereichte Artikel von mehreren Fachpersonen gelesen und bewertet und nur wer wirklich überzeugt, hat eine Chance.

Formalien nicht unterschätzen

Dabei geht es nicht allein um die Inhalte, sondern auch um die Form. Die Angebote von Autorinnen und Autoren sind so zahlreich, dass – ungeachtet des Themas – Arbeiten sofort aussortiert werden, die formale Schwächen enthalten. Warum sollten die Verlage Zeit und Geld in redaktionelle Bearbeitung investieren, wenn ihnen bereits komplett lektorierte, fehlerfreie Arbeiten angeboten werden? Das bedeutet unter anderem bei internationalen Titeln: Hier wird Englisch auf dem Niveau akademisch gebildeter Muttersprachler verlangt. Hat man das nicht zu bieten oder ist sich seiner Sache nicht sicher, hilft das Lektorat durch ACAD WRITE.

Wer es sich vornimmt, bei solchen Fachzeitschriften vorstellig zu werden, muss sich unbedingt auf deren Websites darüber informieren, in welcher Form und in welchem Umfang Abstracts verlangt und welche anderen formalen Bedingungen an die eingereichten Skripte gestellt werden.

Eigenpublikationen und Downloads

Wesentlich unkomplizierter ist es, kleinere Arbeiten oder auch Bachelor- und Masterarbeiten als Buch oder E-Book über Angebote wie etwa GRIN (www.grin.com/de/) zu publizieren. Gerade die Spezialisierung vieler Themen, die eine Veröffentlichung im Programm wissenschaftlicher Verlage unwahrscheinlich erscheinen lässt, wird hier zum Vorteil. Die jeweiligen Zielgruppen sind sicherlich begrenzt, doch es gibt sie.

Manche Institute an Universitäten bieten auch in einem bestimmten Umfang Gelegenheit, Arbeiten als PDF-Dateien zum Download über ihre Websites zu publizieren, speziell im Kontext bestimmter Forschungsprojekte. Auch das ist eine Gelegenheit, die man nutzen sollte, wenn sie sich bietet. Zwar verdient man kein Geld daran, es ist jedoch ein sinnvoller und guter Beitrag zum Aufbau der persönlichen Reputation als Wissenschaftlerin oder Wissenschaftler.

 

Geschrieben von Dr. Herbert Jost-Hof @acad-write.com