Hirsch-Index, Scopus-Index und Impact Factor

Who is who in Science – personenbezogene Kennzahlen zur Würdigung wissenschaftlicher Publikationen

„Was ist das Bleibende der grossen Denker von heute? Die Schlagworte von morgen.“
Hans Krailsheimer, Schriftsteller

Anerkennung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern

Wird man nach bekannten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gefragt, fallen einem schnell einige Namen ein: Albert Einstein, Marie Curie, Robert Koch, Louis Pasteur – sie alle haben weltweite Berühmtheit erlangt, da sie etwas entdeckten, was uns noch heute von Nutzen ist. Es ist klar, dass derart geniale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch unter ihren Fachkolleginnen und Fachkollegen, den „Peers“, als Ausnahmewissenschaftlerinnen und Ausnahmewissenschaftler anerkannt werden. Wie sieht es aber heutzutage mit der Anerkennung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus, die (noch) keine weltweite Berühmtheit erlangt haben, in ihrem Fachgebiet aber absolute Koryphäen sind? Gerade in Zeiten einer Pandemie erscheinen der breiten Bevölkerung bisher weitestgehend unbekannte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf der Bildfläche, die offensichtlich in Fachkreisen ein hohes Ansehen geniessen. Wie wird das wissenschaftliche Ansehen dieser Spezialistinnen und Spezialisten auf ihrem Fachgebiet erfasst und bewertet? Wie ihre Berühmtheit unter ihren Peers eingestuft?

Der Impact Factor – die etablierte, qualitative Bewertung von Veröffentlichungen

Ein solches Etappenziel ist heutzutage die Veröffentlichung wissenschaftlicher Ergebnisse in Publikationen, und zwar im Idealfall in einer Fachzeitschrift mit einem möglichst hohen Impact Factor, also vielen häufig zitierten Artikeln und einer grossen Sichtbarkeit innerhalb des erweiterten Fachkreises. Der Impact Factor macht eine Aussage darüber, wie bekannt bzw. angesehen eine Zeitschrift unter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ist. Nahezu alle Fördereinrichtungen, die über wissenschaftliche Anträge zur finanziellen Unterstützung von Forschungsanträgen entscheiden, bewerten die Antragstellenden nach der Qualität ihrer Publikationen. Dies ist jedoch nicht immer gerecht, denn wie soll eine junge Wissenschaftlerin bzw. ein junger Wissenschaftler mit durchschnittlichem Glück bereits eine Nature-Publikation aufweisen? Selbst erfahrene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben eine solche Publikation lange Zeit als unerfüllten Traum vor Augen.

Doch kann die Wissenschaftlerin bzw. der Wissenschaftler als Person vielleicht auch anders bewertet werden, anhand eines Indexes, der nicht nur die Zitationsstärke der besten Fachzeitschrift, in der die Wissenschaftlerin bzw. der Wissenschaftler publiziert hat, berücksichtigt, sondern auch die Anzahl ihrer bzw. seiner Publikationen, Konferenzbeiträge, Präsentationen und anderen Veröffentlichungen, die sie bzw. er bereits geleistet hat?

Wissenschaftlerin

„In der Wissenschaft gibt es nie ein Erreichen des Ziels. In der Wissenschaft gibt es immer nur Etappenziele.“

Henning Beier, Biologe und Mediziner

Beispiel zur Berechnung

Der Hirsch-Index als quantitativ ausgerichtete Bewertungsalternative

Ähnlich dem Impact Factor existieren verschiedene Indizes, die das Ansehen einzelner Forscherinnen und Forscher in der naturwissenschaftlichen Gemeinschaft reflektieren sollen. Hierzu zählt auch der Hirsch-Index.

Dieser Index, auch als h-Index oder Hirschfaktor bezeichnet, ist nach seinem Entwickler, dem argentinischen Physiker Jorge Eduardo Hirsch, benannt. Per definitionem wird der Index aus der höchsten Anzahl der Publikationen einer Forscherin bzw. eines Forschers und der Häufigkeit ihrer Zitation errechnet. Der Index wird ermittelt, indem man alle Publikationen einer wissenschaftlichen Autorin bzw. eines wissenschaftlichen Autors in absteigender Häufigkeit ihrer Zitation listet.

Aus der x-ten Publikation mit weniger als x Zitationen ergibt sich der Hirsch-Index als x – 1.

Beispiel zur Berechnung des Hirsch-Indexes:

Eine Forscherin bzw. ein Forscher hat vier Publikationen mit jeweils fünf, fünf, zwei und einer Zitation. Die dritte Publikation hat höchstens zwei Zitationen, sodass h = 3 – 1 = 2 ist.

Der grösste Vorteil des Hirsch-Indexes ist, dass alle Publikationen, nicht nur die zitationsstärksten, einer Forscherin bzw. eines Forschers berücksichtigt werden. Dies ist gleichzeitig der grösste Nachteil dieses bibliografischen Einflussfaktors: Eine Publikation in einem sehr hoch eingestuften Journal, welche voraussichtlich sehr hohe Zitationszahlen aufweist, wird nicht ausreichend gewürdigt.

Der Hirsch-Index kann auch durch Scopus ermittelt werden, eine wissenschaftliche bibliografische Datenbank, die Millionen von Zeitschriftenartikeln, Abstracts und Konferenzbeiträgen listet. Der Hirsch-Index kann hier anhand eines Autorinnen- bzw. Autorennamens erstellt werden, indem alle Zitationen dieser Autorin bzw. dieses Autors, die in der Datenbank gesammelt sind, miteinander verknüpft werden.

Was bedeutet das nun für die Praxis, um in der Wissenschaft reich und berühmt, na ja, zumindest berühmt zu werden? Geht man nach derartigen personenbezogenen Kennzahlen, sollte das Ziel sein, nicht nur in zitationsstarken Fachzeitschriften zu veröffentlichen, sondern auch möglichst viele Artikel zu publizieren. Dies ist gewiss leichter gesagt als getan, aber auch in der Wissenschaft gilt schliesslich:

„Es bedarf nur eines Anfangs, dann erledigt sich das Übrige.“
Sallust, römischer Geschichtsschreiber

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