Das Exposé als Fundament der Bewerbung als Doktorandin oder Doktorand

Dem Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit geht immer ein Planungsprozess voraus. Dies trifft insbesondere für Doktorarbeiten zu. Ein solcher Plan wird in dem Exposé zur Dissertation erarbeitet und eng mit der Betreuerin bzw. dem Betreuer der Arbeit abgestimmt. Dieses systematische und methodische Vorgehen ist essenzielle Grundlage wissenschaftlichen Arbeitens. Das Exposé und die Anforderungen, die an dieses gestellt werden, sind sehr individuell und ergeben sich etwa aus dem Fachgebiet, der Forschungsfrage, der geplanten Vorgehensweise sowie ganz wesentlich auch aus den Ansprüchen der betreuenden Person.
Andere Bezeichnungen für ein Exposé sind etwa Forschungsdesign, (Research) Proposal, Skizze und Arbeitsplan.

Die drei wesentlichen Aufgaben eines Exposés

Skizzierung des eigenen Vorhabens

Das eigene Vorgehen wird skizziert, sodass etwa Ziele, Forschungsfrage(n), Methoden und die einzelnen Schritte zur Umsetzung aufgeführt werden. Hierbei sollten stets die Sinnhaftigkeit und Umsetzbarkeit im Vordergrund stehen. Eine solche Skizzierung des Vorgehens sollte am besten so vorausschauend wie möglich geplant werden. Sie muss dabei nicht als zwingend endgültig betrachtet werden, sodass auch ein gewisser Raum für Flexibilität gewahrt bleibt. Eine gute Grundlage in Form eines durchdachten Ansatzes zusammengefasst in einem Exposé kann die Qualität und Durchführung der Dissertation deutlich verbessern.

Überzeugen des Promotionsbetreuers

Der Promotionsbetreuer sollte in der Form überzeugt werden, dass eine Einigkeit über das Promotionsthema erlangt wird. Diese ist etwa für eine erfolgreiche Bewerbung der Doktorandin bzw. des Doktoranden um eine Promotion zentral. Wird das Exposé zur Dissertation eingereicht, sollte sich die Verfasserin bzw. der Verfasser dahingehend auch mit den Anforderungen der jeweiligen betreuenden Person auseinandersetzen. Die Erwartungshaltung kann sich zwischen verschiedenen Betreuern deutlich unterscheiden. So reicht einer betreuenden Person vielleicht lediglich eine grobe Gliederung, während eine andere zudem eine Literaturübersicht und einen ausgearbeiteten Forschungsstand vorgelegt haben möchte und eine dritte betreuende Person vielleicht sogar bereits ein erstes Kapitel der Dokorarbeit im Exposé einfordert.

Einwerbung von Fördermitteln

Wird die Einwerbung von Förder- bzw. Projektmitteln angestrebt, kann ein – gut ausgearbeitetes – Exposé den Prozess deutlich vereinfachen und die Erfolgswahrscheinlichkeit erhöhen. Das Exposé dient dazu, die Zuwendungsgebenden von dem Forschungsvorhaben zu überzeugen und die Förderungswürdigkeit zu bekräftigen. Dabei ist es wichtig, sich darüber bewusst zu sein, dass der Anspruch an eine Doktorarbeit darin besteht, dass die Wissenschaft an sich vorangetrieben wird. Das Exposé und der gewählte Ansatz müssen diesen Anspruch widerspiegeln. Die Anforderungen an ein Exposé können jedoch auch in Bezug auf die Möglichkeit der Zurverfügungstellung von Fördermitteln variieren.

Wie wird ein Exposé aufgebaut?

Ein Exposé muss also spezifischen Anforderungen genügen, wobei sich diese, wie erläutert wurde, zwischen Arbeitsthema, Fachgebieten, Universitäten, Lehrstühlen und betreuenden Personen deutlich unterscheiden können. Einen Ausgangspunkt bieten die Promotionsordnung der Hochschule sowie die expliziten Vorgaben des Promotionsbetreuers. Grundsätzlich können sieben zentrale Gliederungspunkte identifiziert werden, anhand derer in dem Exposé ein sinnvoller und stringenter Aufbau der in Arbeit befindlichen Dissertation beschrieben werden kann:

  • Der Themenbereich: Es wird beschrieben, in welchem Kontext und in welcher Disziplin des Fachs sich das Thema befindet, welche theoretische und methodische Grundrichtung verfolgt wird und wie die grobe Zielsetzung der Arbeit ist. Zudem wird der konkrete Problembereich der eigenen Arbeit umrissen. Da die Bearbeitung einer Dissertation einen längeren Zeitraum in Anspruch nimmt, ist es empfehlenswert, sie zu einem Thema zu schreiben, für das bei der Verfasserin bzw. dem Verfasser ein starkes Interesse vorliegt. Dies verbessert die Leichtigkeit des Erstellens der Arbeit und kann auch zu deren Qualität positiv beitragen. Daneben sollte das Thema wissenschaftlich relevant sein und auch in den eigenen Kompetenzbereich fallen.
  • Der Stand der Forschung: Hier sollte untersucht werden, inwiefern bereits wissenschaftliche Arbeiten zu dem gewählten Thema bestehen und welche die dazu wichtigsten Positionen in der Forschung sind. Hierbei sollte sich ergeben, dass das eigene Thema sinnvoll bearbeitet werden kann sowie der grundsätzliche Ansatz auch in irgendeiner Weise innovativ ist – entweder durch das Thema an sich oder durch das konkrete geplante Vorgehen. Die Beschreibung des Forschungsstandes geht dabei insbesondere mit einer zielführenden Literaturanalyse einher.
  • Die Problemstellung: Der zuvor skizzierte Problembereich und der dazu erarbeitete Forschungsstand führen zur Festlegung der eigenen spezifischen Problemstellung. An diesem Punkt werden das grundlegende Konzept sowie zentrale Begriffe und Hypothesen über deren Zusammenhang erstellt. Mögliche Ergebnisse sollen hier bereits extrapoliert werden, wobei es wichtig ist, dass die eigene zu beantwortende Problemstellung nicht nur relevant, sondern auch umsetzbar und realistisch ist.
  • Methoden: Im Rahmen des wissenschaftlichen Arbeitens ist die Verwendung der richtigen Instrumente zentral. Die verschiedenen Fächer verfügen über unterschiedliche Herangehensweisen, die zur Beantwortung von Fragestellungen genutzt werden können. Der Erfolg der Lösung der Problemstellung kann dabei stark von der gewählten Methode abhängen. Ausgangspunkt sollte hierbei sein, die diversen verfügbaren Methoden zu betrachten und die zweckdienlichste auszuwählen. Wird etwa ein quantitativer oder ein qualitativer Ansatz gewählt? Werden Primärdaten erhoben oder stützen sich die Ergebnisse auf Sekundärdaten? Werden Experimente oder Fallstudien durchgeführt?
  • Zugang zum Material: Je nach Thema und Wissenschaft kann sich das zu untersuchende Material deutlich unterscheiden. Zunächst ist zu erarbeiten, welches Material für die Problemlösung dienlich sein kann. Das verwendete und zu erarbeitende Material beeinflusst dabei auch die Antwort auf die Frage, welche Methoden sinnvoll angewendet werden können. Ist bekannt, welches Material zur Problemlösung benötigt wird, muss ganz praktisch abgeschätzt werden, ob Zugang zu diesem besteht bzw. mit welchem Aufwand dieser Zugang verbunden sein wird. Hier steht damit die Machbarkeit im Vordergrund. Auch wenn wohl bei den meisten Dissertationen derlei externes Material vonnöten ist, sind auch rein theoretische Arbeiten ohne solchen Bedarf denkbar.
  • Arbeitsplan: In diesem Abschnitt sollte der geplante Verlauf skizziert werden. So werden etwa zeitliche Rahmenbedingungen, wie das geplante Ende der Bearbeitung der Doktorarbeit, angeführt. Daneben sollte etwa der endgültige Umfang der Arbeit zumindest grob geschätzt werden. Grundsätzlich ist auch hier deutlich nach Fachrichtung zu unterscheiden, jedoch können eine Bearbeitungszeit von etwa zwei bis drei Jahren und ein Umfang von etwa 200 bis 300 Seiten als sinnvolle Referenz dienen. Zur Bearbeitung ist es sinnvoll, wenn der Arbeitsplan den Projektzeitraum in verschiedene Phasen gliedert, wobei für das Ende jeder Phase ein grobes Ziel angegeben wird und feststehen muss, wie dieses erreicht werden soll. Zu beachten ist auch der insbesondere in der Endphase des Verfassens der Doktorarbeit notwendige Aufwand, der sich aus der zu finalisierenden Formatierung sowie pointierten Formulierungen ergibt.
  • Literaturangabe: Einem Exposé sollte überdies bereits ein überschaubares erstes Literaturverzeichnis beigefügt sein, das mindestens die zum Forschungsstand behandelten Quellen sowie darüber hinaus wesentliche Literatur zur Problemstellung anführt.

Was ist zu beachten?

Das Exposé einer Dissertation ist zentral für das Gelingen und die Akzeptanz einer Doktorarbeit und sollte in enger Zusammenarbeit mit der betreuenden Person und hinsichtlich der entsprechenden Anforderungen aufgesetzt werden. Hierbei zahlt sich gute Grundlagenarbeit aus, sodass sich für die Erstellung eines Exposés auch die notwendige Zeit genommen werden sollte. Die Länge des Exposés kann deutlich variieren, ein grober Richtwert kann jedoch sein, etwa ein bis zwei Seiten pro Gliederungspunkt einzuplanen. Es sollte auch deutlich hervorgehen, inwiefern die Wissenschaft durch das Promotionsvorhaben bereichert wird. Ein gutes Exposé erhöht dabei grundsätzlich den Erfolg der Annahme des Themas sowie der Einwerbung von Fördermitteln und kann die eigene Motivation steigern. Ein ausgearbeiteter Fahrplan in Form eines Exposés hilft, auf der Spur zu bleiben und die eigene Zielsetzung im Blick zu behalten und schlussendlich auch zu erreichen.

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Übersicht:

Fehlervermeidung bei der Erstellung eines Exposés

  • Einhaltung der Anforderungen von Universität/Betreuer(in)/Fördermittelgeber
  • Einplanen von ausreichend Zeit zur Erstellung>
  • Beschränken des Umfangs auf insgesamt etwa 15 Seiten
  • Formatierung des Exposés in ansprechender, professioneller Form
  • Diskussion des Exposés mit einer fachlich versierten Person vor Abgabe
  • Korrekturlesen lassen des Exposés der Doktorarbeit vor Abgabe

Wie wird ein Exposé bewertet?

Ein Exposé wird natürlich durch die Verschiedenartigkeit der betreuenden Personen sowie der abweichenden spezifischen Anforderungen nicht immer gleich bewertet, jedoch könnten zentrale Faktoren zur Beurteilung etwa sein:

  • globale Kriterien für das gesamte Exposé,
  • Problemstellung und theoretische Problembewältigung,
  • wissenschaftliches Arbeitsprogramm/Vorhaben,
  • struktureller Aufbau/Vorgehensweise und
  • Formalien und Literatur.

Online können Beispiele für Bewertungsbögen von Exposés eingesehen werden.

 

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