Der Begriff der Fallstudie beschreibt zunächst einmal eine empirische Forschungsmethode. Die Fallstudie unterscheidet sich dabei durch zwei zentrale Merkmale von anderen empirischen Forschungsmethoden: Erstens wird mit der Fallstudienmethode ein aktuell relevanter bzw. zeitgenössischer Sachverhalt untersucht. Damit lässt sich die Fallstudie von Methoden abgrenzen, die sich mit in der Vergangenheit liegenden Fällen auseinandersetzen. Zweitens kann es als charakteristisches Merkmal einer Fallstudie verstanden werden, dass die Grenze zwischen dem beobachtbaren Sachverhalt und dem Kontext nicht trennscharf gezogen werden kann. Aus diesen beiden hauptsächlichen Alleinstellungsmerkmalen resultiert eine Reihe von Eigenschaften der Fallstudienmethode, bspw. die Nutzung unterschiedlicher Datenquellen oder die Notwendigkeit einer empirischen Vorarbeit.

Aufgrund der Unterschiedlichkeit der von Forschenden zu untersuchenden Phänomene kann es darüber hinaus kein standardisiertes Layout für eine Fallstudie geben. Wir zeigen Ihnen im Folgenden einen Prozess auf, der Sie bei der Anlage und Umsetzung der Fallstudienmethodik unterstützt.

1) Planung der Fallstudie

Der erste Schritt ist darauf ausgerichtet, ein Forschungsprotokoll zu erarbeiten. In diesem Protokoll sind die Rahmenbedingungen für die durchzuführende Fallstudie festzuhalten. Hierzu gehört zum einen die Festlegung des Forschungsziels. Dieses kann explorativer, deskriptiver oder explanativer Natur sein, wobei auch eine Kombination der drei Varianten möglich ist. Ebenfalls zur Planung der Fallstudie gehören zum anderen die Analyse der relevanten Literatur sowie die Ableitung von Hypothesen, die im Rahmen der Fallstudie einer Untersuchung unterzogen werden sollen.

2) Entwurf des Forschungsdesigns

Der zweite Schritt umfasst den Entwurf des Forschungsdesigns. Zu beantworten sind in diesem Schritt insbesondere zwei Fragestellungen:

  • Wie viele Situationen sollen die empirische Grundlage für die Gewinnung der theoretischen Aussagen liefern? Geht es also um eine Einzelfall- oder Mehrfallstudie?
  • Wie viele Analyseebenen soll die Fallstudie umfassen? Handelt es sich also um eine eingebettete Fallstudie oder ein holistisches Fallstudiendesign?

Bei einer Einzelfallstudie bildet eine einzige Situation (z. B. eine kritischer Fall, ein Extremfall, ein typischer Fall, …) die empirische Grundlage zur Gewinnung theoretischer Aussagen. Bei einer Mehrfallstudie sind mindestens vier Fälle für die Fallstudie zu analysieren. Der Vorteil der Mehrfallstudie liegt insbesondere in der grösseren Robustheit und Belastbarkeit der Ergebnisse. Ein holistisches Fallstudiendesign verfolgt die Zielsetzung einer ganzheitlichen Analyse des Falls, weshalb darauf verzichtet wird, auf einzelne Fragestellungen im Detail einzugehen. Durch dieses Vorgehen können deshalb Theorien mit einem hohen Abstraktionsgrad gewonnen werden. Im Gegensatz dazu analysieren eingebettete Fallstudien einzelne Aspekte des Falls. Dadurch werden zwar wichtige Bereiche beleuchtet, es besteht allerdings die Gefahr, dass der Gesamtkontext verloren geht.

3) Vorbereitung und Durchführung der Datensammlung

Die Vorbereitung und die Durchführung der Datensammlung stellen den dritten Schritt des eigentlichen Forschungsprozesses dar. Für die Datensammlung steht eine Reihe unterschiedlicher Methoden zur Verfügung. Beispiele hierfür sind Interviews, Expertengespräche, Beobachtungen (direkt bzw. teilnehmend), Archivdaten, die Analyse von Artefakten oder der Besuch von Veranstaltungen wie etwa Messen oder Fachkongressen. Zu berücksichtigen ist, dass die einzelnen Methoden jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Insofern bietet es sich auch an, mehrere der angeführten Quellen zu kombinieren sowie methodische oder theoretische Triangulationen vorzunehmen. Weiterhin wird empfohlen, eine Pilotstudie durchzuführen. Hierzu sollten die Forschenden einen komplexen Fall auswählen, um bei der eigentlichen Durchführung mit hoher Wahrscheinlichkeit auftretende Herausforderungen frühzeitig identifizieren und diesen adäquat begegnen zu können.

4) Durchführung der Datenanalyse

Für die Datenanalyse wird das vorliegende Datenmaterial zunächst auf Muster hin untersucht und ein Vergleich der identifizierten Muster vorgenommen. Dieser Vorgang wird als Pattern Matching bezeichnet. Möglich sind auch Analysen im Hinblick auf die genutzten Datenquellen oder Paarvergleiche. Im Anschluss kann ein Vergleich der empirisch gewonnenen Ergebnisse mit den aus der theoretischen Vorarbeit aufgestellten Hypothesen vorgenommen werden. Möglich sind dabei zwei Arten von Ergebnissen:

  • Literal Replication: Mehrere der untersuchten Fälle führen zu gleichen Ergebnissen.
  • Theoretical Replication: Mehrere Fälle führen zwar zu unterschiedlichen Ergebnissen, diese werden jedoch durch die theoretische Vorarbeit bzw. die aufgestellten Hypothesen gestützt.

Liegt der Fallstudie eine explanative Zielsetzung zugrunde, so können aus den generierten Daten Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge abgeleitet und logische Modelle entwickelt werden.

5) Verfassen des Fallstudienreports

Das Verfassen des Fallstudienreports stellt den letzten Prozessschritt dar. Ihn im fassen die Forschenden folgende Inhalte zusammen:

Wann ist eine Fallstudie eine gute Fallstudie?

Um die Qualität einer Fallstudie sicherzustellen, sollten Forschende bei ihrer Arbeit eine Reihe von Gütekriterien erfüllen. So sollte eine Fallstudie immer objektiv sein, d. h., die Arbeit muss für Dritte transparent und nachvollziehbar gestaltet sein. Weiterhin muss eine Konstruktvalidität gegeben sein, d. h., der Forscher muss sicherstellen, dass er für den zu beobachtenden Sachverhalt sowohl die richtigen Konstrukte als auch geeignete Messgrössen verwendet. Schliesslich sollte eine Fallstudie auch reliabel angelegt sein, d. h., es muss eine Wiederholbarkeit der Untersuchung gewährleistet sein. Dies kann bspw. durch die Anlage und das strikte Befolgen eines Forschungsprotokolls realisiert werden.

Fallstudien Hilfe

Fallstudie gemeinsam erstellen

Wir unterstützen Sie bei Ihrer wissenschaftliche Fallstudie.

Anrufen JETZT ANFRAGEN