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‚Äě‚ÄöMetakognition‚Äė meint das Nachdenken √ľber das eigene geistige Handeln (Denken, Lesen, Schreiben usw.). [‚Ķ] Wo stehe ich jetzt? Welche Ziele will ich erreichen?‚Äú
(Stary 2009, S. 73)

Was versteht man unter einem roten Faden?

Was ein roter Faden ist, ist den meisten eigentlich intuitiv sofort klar: Die Arbeit muss eine gewisse Logik aufweisen, einen inneren Zusammenhang, eine Ausrichtung auf ein bestimmtes Ziel. Oft wird auch von Stringenz gesprochen, was im Endeffekt bedeutet, dass alles, was nur lose zur Arbeit beitr√§gt und nicht direkt zielf√ľhrend ist, gestrichen werden muss. Jede Arbeit hat also ein konkretes Ziel.

Die Betreuer:innen Ihrer Arbeit werden Ihnen das meist so nahelegen: Finden Sie eine Forschungsfrage und bauen Sie anhand derer Ihre Arbeit auf.

Anschaulich schreiben heisst, dass die Arbeit wie ein Krimi ablaufen sollte.

Zuerst wird der ‚ÄěTatort‚Äú gezeigt: Geht es um die F√ľhrungsebene internationaler Unternehmen oder um die Rechnungslegung in √∂ffentlichen Verwaltungen? Einer aussenstehenden Person muss kurz erkl√§rt werden, mit welchem Themengebiet sie es zu tun hat.

Dann kommt die ‚ÄěLeiche‚Äú: Es gibt ein Problem! Irgendetwas weiss man noch nicht genau, funktioniert nicht gut, stellt sich in der Praxis anders dar als in der Theorie oder es fehlen, obwohl die allgemeine Theorie bekannt ist, konkrete Handlungsempfehlungen in einem speziellen Gebiet. Formulieren Sie als Frage, was erarbeitet werden soll und √ľberlegen Sie sich, wie diese Frage am besten beantwortet werden kann. Das ist der rote Faden Ihrer Arbeit.

Den roten Faden finden

Bachelor und Master

Der rote Faden in einer Literaturarbeit

Bei Bachelorarbeiten und Masterarbeiten unterscheidet man zwischen Literaturarbeiten und empirischen Arbeiten.

Wollen Sie z.¬†B. relevante und aktuelle Forschungsliteratur in einem bestimmten Gebiet durchforsten, um dann daraus eigene Schl√ľsse abzuleiten, so ist Ihr Forschungsdesign das einer Literaturarbeit. Ihr Forschungsziel ist dann in etwa:

  • L√ľcken aufzuzeigen, die noch besser erforscht werden k√∂nnten,
  • Vergleiche zwischen zwei Theorien oder Forschungsrichtungen aufzustellen oder
  • aus allgemeinem Wissen Ableitungen f√ľr konkrete F√§lle anzustellen.

Erarbeiten Sie hier einen Grundgedanken und vergessen Sie ihn nicht, gerade, wenn Sie tief in der Literatur stecken und den ber√ľhmten Wald vor lauter B√§umen nicht mehr sehen.

Dinge, die nur am Rande interessant sind oder nur irgendwie mit Ihrem Themengebiet zu tun haben, sortieren Sie besser sofort aus oder schreiben sie mal lose als ‚ÄěExkurs‚Äú f√ľr sich herunter. Meist finden diese in der Arbeit keinen Platz mehr und lenken vom roten Faden ab.

Pro-Tipp

F√ľr jede Fragestellung gibt es mittlerweile mehr Literatur, als Sie √ľberblicken k√∂nnen. Sie m√ľssen also gar nicht alles lesen! Versuchen Sie, aus Standardwerken oder viel zitierten Artikeln das grunds√§tzliche Forschungsfeld grob zu √ľberblicken. Dann setzen Sie mit der neuesten Forschung an (<¬†10 Jahre) und sehen, was sich mittlerweile dort tut und wie die Diskussion sich gestaltet.

Bachelor und Master

Der rote Faden in einer empirischen Arbeit

Hier kommt es auf die Verkn√ľpfung von Theorie und Empirie an, die sich unter ein Leitmotiv ordnet. Wenn Ihre Forschungsfrage darauf abzielt, ob die Rassemblement National (ehemals Front National) eher als eine populistische oder eine rechtsextreme Partei einzuordnen ist, so muss in der Theorie erst einmal klar dargestellt werden, was das eine und was das andere ist und wie man sie definiert, erkennt und unterscheidet.

Wenn Sie dann in Ihrer Empirie lediglich darauf aufmerksam machen, welche provokativen Diskurse die Partei f√ľhrt, haben Sie den roten Faden verloren. Sie m√ľssen sich √ľberlegen, auf welche Art und Weise Ihre Forschung die Frage, die durch die theoretische Vorarbeit konkretisiert wurde, beantworten kann. M√∂gliche Wege w√§ren z.¬†B. eine statistische Untersuchung der sozio√∂konomischen Merkmale von W√§hler:innen der Rassemblement National. Dann m√ľsste diskutiert werden, ob diese eher mit denen populistischer Parteien vergleichbar sind oder mit denen rechtsextremer Parteien. M√∂glich w√§ren auch Interviews, entweder mit Expert:innen wie etwa Politikwissenschaftler:innen, aus deren Aussagen man einen Vergleich und einen Konsens ableiten k√∂nnte, oder mit W√§hler:innen der Rassemblement National selbst. Deren Aussagen k√∂nnten dann entweder eher in die Themengruppe Populismus oder in die Gruppe Rechtsextremismus kategorisiert werden. Am Ende wird dann ein Res√ľmee gezogen.

Alle genannten Forschungsmethoden weisen Mängel in ihrer Aussagekraft auf. Ausserdem kann es sein, dass Ihre Ergebnisse nicht klar und eindeutig ausfallen. Haben Sie nun den roten Faden verloren?

Nein! Ein roter Faden ist kein ‚Äěaufgegangener Plan‚Äú. Sie m√ľssen nur eine innere Koh√§renz herstellen. Diskutieren Sie, wie weit Sie in Ihrer Forschung kamen, inwiefern Ihre Ergebnisse erg√§nzt werden k√∂nnten oder zu weiterer Forschung anregen. Es geht um die Einordnung Ihrer Forschungst√§tigkeit in einen Sinnzusammenhang.

Roter Faden

Die Step-by-Step-Anleitung

Es gibt eine Geheimwaffe, die Sie anwenden k√∂nnen, damit Ihnen der rote Faden in Ihrer Arbeit mit Sicherheit gelingt ‚Äď sie heisst¬†Metakognition ‚Äď das Nachdenken √ľber die eigenen mentalen Prozesse.

Dahinter steckt eine einfache Erkenntnis:¬† Eine schriftliche Darstellung einer Forschungsarbeit ist ein Bericht √ľber den mentalen Prozess, den andere gerne nachverfolgen m√∂chten. Wer sich w√§hrend des Abm√ľhens mit der Forschungsfrage auch immer gleichzeitig fragt, was gerade passiert und zu welchem Zweck es dient, erstellt auch gleich eine innere Narrative: den roten Faden.

  1. Let‚Äôs touch base: Basteln Sie an einem bestimmten Argument? Haben Sie Zweifel an einer Aussage oder eine Informationsl√ľcke? Versuchen Sie gerade, Wissen f√ľr sich zu ordnen und zu systematisieren? Versuchen Sie beim Arbeiten stets auch im Blick zu behalten, welchem Ziel ihre Arbeit aktuell dient. So k√∂nnen Sie sich selbst immer wieder auf die Zielgerade bringen und Ihren Denkprozess sp√§ter in der Arbeit beschreiben.
  2. Denkprozesse sichtbar machen: Schreiben Sie sich auch gerne an den Rand Ihrer Notizen, wozu die kognitive Arbeit, die Sie leisten, gerade beiträgt. Auf dieser Basis können Sie dann den roten Faden ganz leicht erstellen.
  3. Fangen Sie an zu schreiben: An den Anfang eines Abschnittes geh√∂rt eine¬†Aussage √ľber den Punkt, den Sie nun versuchen, aufzuzeigen (‚ÄěWas will ich hier sagen?‚Äú). Dann folgt die Ausf√ľhrung: Argumente, Quellenbasis, Beispiele, Schlussfolgerungen.
  4. Struktur bauen: Haben Sie mehrere Punkte √ľber eine Sache klargestellt, z.¬†B. wie man Populismus definiert, erkennt und von anderen Konzepten unterscheidet und wo eventuell die Schwierigkeit darin besteht, so haben Sie Ihre Unterkapitel erstellt. √Ėffnen Sie ein n√§chstes, ebenfalls strukturiertes Kapitel zu den anderen Themen.
  5. Rechenschaft legen: Am Ende jedes Kapitels k√∂nnen Sie kurz wiederholen und festhalten, welche Erkenntnisse wichtig waren und f√ľr den weiteren Fortgang der Arbeit relevant sind.
  6. Leser abholen: Am Anfang jedes Kapitels können Sie kurz erläutern, welche Dinge noch offenstehen und im Folgenden angegriffen und geklärt werden sollen.
  7. Mut zur Verantwortung: Zuletzt können Sie Forschungsfrage, Antwort und Prozess zusammenfassen, reflektieren, und bewerten. Somit haben Sie Ihre Forschung sinnvoll strukturiert.

Indem Sie selbst den Durchblick behalten, k√∂nnen Sie ihren Forschungsprozess klar und logisch darstellen. Auf diese Weise wissen auch die Leser:innen, wie in einem guten Krimi, auf welchem Punkt des Weges sie sich befinden und ob sie alle notwendigen Informationen haben, um die richtigen Schl√ľsse ziehen zu k√∂nnen.

Roter Faden in einer Präsentation

Was ist ein roter Faden in einer Präsentation?

Der rote Faden in einer Präsentation ist etwas anders als der in einer Bachelorarbeit oder Masterarbeit. Stellen Sie sich den Unterschied zwischen einem klassischen Roman und einer Radioansage vor. Sie haben keine Leser:innen, die komplexe Informationen in Ruhe durchdenken möchten. Sie haben Hörer:innen, deren Aufmerksamkeit gehalten werden sollte.

Nach wie vor interessiert diese:

Allerdings interessieren sie nicht die theoretischen Feinheiten! Die lassen sich leicht nachlesen, gerne k√∂nnen Sie die relevanten Quellen in den Foliennotizen angeben. Erkl√§ren Sie nur, warum Sie sich f√ľr etwas entschieden haben und wie das konkret aussieht. Weniger fachliche und mehr pers√∂nliche Information ist hier das Stichwort.

Schliesslich k√∂nnen Sie Ihr Ergebnis visuell eindrucksvoll pr√§sentieren. Auch hier ist es unm√∂glich, Ihre ganze argumentative Arbeit darzustellen. Nutzen Sie zur Darstellung Ihrer Ergebnisse eindr√ľckliche Zitate, Bilder oder Grafiken, die die Sachlage einpr√§gsam wiedergeben. Ihre fachliche Expertise k√∂nnen Sie dann bei eventuellen R√ľckfragen beweisen.

Wissenschaftliches Schreiben ist eine Kunst, die √ľber inhaltliches Wissen hinausgeht. Wie in einem Roman muss sich ein Grundgedanke, der die Leser:innen besch√§ftigt, durch die ganze Geschichte ziehen. Statt Fiktion sollten Sie sich zwar auf saubere Quellenarbeit, Argumentation und Forschung verlassen ‚Äď doch das Grundmotiv bleibt: Der rote Faden tr√§gt Ihre ganze Arbeit zum Erfolg!

Quellen

Stary, Joachim (2009): Wissenschaftliche Literatur lesen und verstehen. In: Norbert Franck und Joachim Stary (Hrsg.): Die Technik wissenschaftlichen Arbeitens. Eine praktische Anleitung. 15., √ľberarbeitete Auflage. Paderborn: Ferdinand Sch√∂ningh (UTB Schl√ľsselkompetenzen, Kernkompetenzen, 724), S. 71‚Äď96.

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