Empirische vs. Literaturarbeit

Welche Vorteile oder Nachteile ergeben sich aus der Gegenüberstellung von empirischer und theoretischer Arbeit?

Empirische Arbeit oder theoretische Arbeit: Welche ist die Richtige für Sie?

Im Zuge Ihrer Abschlussarbeit müssen Sie überlegen, welches Ziel Sie sich setzen (und natürlich auch, welches Ziel Ihnen die betreuende Lehrkraft setzt) und welches Forschungsvorhaben Ihrer Arbeit zugrunde liegt. Grundsätzlich gilt zunächst, dass Sie etwaige Einflüsse von A auf B nur mit einer quantitativen Untersuchung feststellen können.
Qualitative Untersuchungen halten subjektives Wissen fest, während eine theoretische Arbeit vorhandene Istzustände und bereits durchgeführte Studien zur Bearbeitung heranzieht.
Sie erkennen also, dass die Forschungsmethode letztlich vor allem zu dem passen muss, was Sie untersuchen wollen und zu der Forschungsfrage die Sie für Ihre Arbeit formulieren.

Was ist eine empirische Arbeit?

Eine empirische Arbeit ist entweder qualitativ oder quantitativ angelegt. Ein qualitatives Vorgehen bietet sich dann an, wenn wenig Literatur zu Ihrem untersuchten Thema existiert und Sie mit der Bearbeitung entweder neue Informationen generieren oder einen Abgleich von Theorie und Praxis anstellen wollen, der ggf. die Entwicklung einer neuen Theorie oder eines neuen Ansatzes zur Folge hat. Eine quantitative Arbeit hingegen sollten Sie dann anstreben, wenn bereits viel Literatur zu Ihrem Thema vorhanden ist und Sie eine bestehende Theorie testen oder um etwaige neue Entwicklungen ergänzen wollen.

QualitativQuantitativ
Es existiert viel Literatur.
Es soll ein Theorie-Praxis-
Abgleich stattfinden.
Eine bestehende Theorie
soll getestet werden.
Eine neue Theorie/ein neuer
Ansatz soll entwickelt werden.
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Unterschiede zwischen der qualitativen und der quantitativen Arbeit

Unterschiede zwischen qualitativen und quantitativen Ansätzen ergeben sich hinsichtlich verschiedener Punkte:

  1. Das Vorgehen: Bei einem qualitativen Ansatz können Sie mit Interviews bzw. der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring, mit einer Fallstudie und/oder Gruppendiskussionen arbeiten, aber auch mit Zeitungsartikeln (Diskursanalyse) u. Ä., während bei einem quantitativen Vorgehen mit einer (Online-)Umfrage, Beobachtung oder auch mit einem Experiment gearbeitet wird.
  2. Die Auswertung: Bei einem qualitativen Ansatz müssen Sie Ihr Material z. B. nach der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring codieren, kategorisieren und im Anschluss daran die Kategorien auswerten, während Sie bei einem quantitativen Vorgehen eine statistische Auswertung mit bspw. SPSS oder R Studio vornehmen müssen.
  3. Die Ergebnisse: Bei einem qualitativen Ansatz können Sie auf Grundlage Ihrer Ergebnisse zum einen Handlungsempfehlungen generieren, zum anderen Hypothesen aufstellen, die in einer weiterführenden Forschung geprüft werden können. Im Gegensatz dazu leiten Sie bei einer quantitativen Arbeit die Hypothesen aus dem Literaturteil ab, um diese anhand Ihrer Forschung im Anschluss an die Datenerhebung verifizieren oder falsifizieren zu können.

 

Was ist eine theoretische Arbeit?

Eine theoretische Arbeit bzw. eine Literaturarbeit hat zum Ziel, bereits bestehende Theorien und Modelle zu untersuchen, um darauf aufbauend eigene Gedanken zu entwickeln, die aufzeigen, dass Sie dazu in der Lage sind, sich eigenständig innerhalb der wissenschaftlichen Forschung zurechtzufinden. Das Vorgehen gestaltet sich bei einer theoretischen Arbeit so, dass Sie sich aus vorhandener Literatur einen Grundstein legen, auf dem Sie eigene Gedanken aufbauen können. Dazu recherchieren Sie zunächst die gängige Literatur zu Ihrem Thema und vergleichen bspw. unterschiedliche Definitionsansätze, um dann auf der Basis eines eigenen Definitionsansatzes die bereits publizierte Literatur zu analysieren.

Die Vorteile und Nachteile einer theoretischen Arbeit bzw. einer Literaturarbeit

Im Vergleich zu einer empirischen Arbeit ist es bei einer theoretischen Arbeit nicht notwendig, eigene Daten zu erheben. Daraus ergibt sich ein zeitlicher Vorteil, da Sie nicht darauf angewiesen sind, zunächst Daten zu generieren oder auf etwaige Rückläufe einer Datenerhebung zu warten. Alle Unterlagen, die Sie zur Bearbeitung einer theoretischen Arbeit benötigen, liegen bereits vor: Sie müssen sich also lediglich um die Recherche kümmern und die recherchierte Literatur sichten. Dadurch können Sie Ihren Arbeitsaufwand im Vorfeld bereits ausführlich planen und die geplanten Meilensteine vermutlich auch pünktlich abarbeiten.

Vorteile: Kein Koordinationsaufwand für z. B. Datenerhebung, alle Unterlagen bereits veröffentlicht, Arbeitsaufwand gut planbar.
Nachteile: Ausführliche Literaturrecherche, auf Aktualität etwaiger Quellen angewiesen.

Die Literaturrecherche für Ihre theoretische Arbeit sollten Sie trotzdem nicht unterschätzen: Insbesondere bei der Themenfindung ist es häufig so, dass Sie zunächst nach übergeordneten Schlagwörtern suchen, bspw. nach Influencer Marketing. Unabhängig davon, in welcher Datenbank Sie suchen, werden Sie hierzu natürlich sehr viele Ergebnisse finden, die Sie zunächst querlesen müssen, um Ihre Forschungsfrage formulieren zu können – zwar können Sie danach konkreter suchen, auch das nimmt jedoch viel Zeit in Anspruch. Hinzukommen Schwierigkeiten in Bezug auf die Aktualität der Daten, mit denen Sie arbeiten: Während es Bereiche gibt, in denen die Studienlage grundsätzlich eine gute ist, die auch stetig aktualisiert wird, wie bspw. die Migrationsforschung, haben Sie andere Themenbereiche, in denen die aktuellste Studie vielleicht bereits einige Jahre alt ist. Dadurch, dass Sie auf bestehende Literatur angewiesen sind, gilt ausserdem, dass ein Praxisbezug nur schwierig hergestellt werden kann, da Sie eine eigene Idee entwickeln müssen, die also in dieser Form noch nicht untersucht worden ist. Neue Erkenntnisse können Sie auf der Grundlage einer theoretischen Arbeit also eher nicht generieren.

 

Die Vorteile und Nachteile einer empirischen Arbeit

Empirische Arbeiten haben, unabhängig davon, ob Sie ein qualitatives oder quantitatives Vorgehen zugrunde legen, grundsätzlich den entscheidenden Vorteil, dass Sie durch das Generieren eigener Daten in jedem Fall einen Erkenntnisgewinn haben werden. Dadurch, dass Sie Ihre Forschungsfrage auf Grundlage vorhandener Literatur generieren bzw. daraus eine Forschungslücke ableiten, sind Ihre Ergebnisse weiterhin auch definitiv aktuell und weisen somit einen deutlichen Praxisbezug auf. Dadurch sind Sie zwar zur Operationalisierung Ihres Vorgehens auf etwaige Literaturbestände angewiesen, können ansonsten aber weitestgehend auf Literatur verzichten, da Ihre Ergebnisdarstellung und die Diskussion das Kernstück Ihrer empirischen Arbeit bilden.

Vorteile: Erkenntnisgewinn, hohe Aktualität, geringerer Rechercheaufwand.
Nachteile: Hoher Koordinationsaufwand, Kenntnisse in Statistikprogrammen notwendig.

Bei einer empirischen Arbeit ist es jedoch so, dass Sie in den meisten Fällen auf die Kooperation mit anderen Personen angewiesen sind: Sie müssen bei einem qualitativen Vorgehen Menschen finden, die bereit sind, mit Ihnen ein Interview zu führen; bei einem quantitativen Vorgehen müssen Sie eine gewisse Grundgesamtheit von min. 100 Probanden/Probandinnen erreichen, damit Ihre Ergebnisse generalisierbar und signifikant sind. Daraus ergibt sich ein vergleichsweise hoher Arbeits-, aber auch Koordinationsaufwand. Sie müssen sich nicht mehr nur um das Schreiben Ihrer empirischen Arbeit kümmern, sondern auch die Datenerhebung zeitlich mit einberechnen und hier natürlich auch entsprechende Kenntnisse bezüglich etwaiger Statistikprogramme wie SPSS oder R Studio mitbringen.

Was passt denn nun besser: die theoretische oder die empirische Arbeit?

Letztlich müssen Sie auf Basis Ihrer Vorkenntnisse, aber auch auf Grundlage dessen, welche Ziele Sie sich setzen bzw. Ihr Dozent/Ihre Dozentin Ihnen setzt, entscheiden, ob eine theoretische Arbeit oder eine empirische Arbeit besser zu Ihnen passt. Das heisst für Sie, dass Sie abwägen müssen, welche Punkte Ihnen am wichtigsten sind.

Theoretische ArbeitEmpirische Arbeit
Zeitlicher AufwandGrösster Aufwand für vorangestellte Recherche, danach geringerer AufwandGeringer Aufwand Recherche, grosser Aufwand Erhebung der Daten
Kooperation mit DrittenNicht notwendigKann anstrengend sein, insbesondere bei geringen Rückläufen/schwierigen Terminvergaben
LiteraturrechercheUmfangreich und aufwendigLediglich für Theorie- und Methodenkapitel
MehrwertSchwierig herzustellen, da Sie nur Vorhandenes neu zusammenstellenVorhanden, sofern Ihr Forschungsdesign sauber operationalisiert ist

 

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