ACAD WRITE Mentor

Empirische Studien: Aufbau & Vorgehen

Wie legt man eine empirische Studie an?

Der Aufbau einer empirischen Studie folgt normalerweise einem allgemeinen Muster, unabhängig davon, welche konkreten Methoden angewandt wurden. Im Folgenden wird dieses Schema beschrieben. Wichtig ist, dass du daran denkst, dass dies nicht die vollständige Darstellung der Anforderungen darstellt, die an eine Abschluss- oder Forschungsarbeit gestellt werden. Achte immer auch auf die formalen Vorschriften deiner Hochschule und sprich dich mit deinem Dozenten ab, damit du weißt, was er erwartet.

Struktur empirischer Studien

EINLEITUNG

Die Einleitung führt in kurzer Form in die wichtigsten Aspekte der Studie ein. Hier beschreibst du dein spezifisches Erkenntnisinteresse und die daraus abgeleitete grundlegende Forschungsfrage oder These und begründest deren Relevanz. Weiter geht’s mit einer Vorschau auf die nachfolgenden Kapitel: Gib einen Überblick darüber, was du vorhast und was die einzelnen Kapitel erhalten.

Hinweis: Ein Überblick über die folgenden Kapitel hilft vor allem auch dir dabei, herauszufinden, ob die geplanten Inhalte überhaupt relevant sind, um deine Forschungsfrage zu beantworten. Wenn nicht – raus damit!

Die Einleitung soll den Lesern die Möglichkeit vermitteln, den Aufbau der Arbeit zu verstehen, also zu wissen, welche weiteren Inhalte in den einzelnen Abschnitten zu erwarten sind. Alle relevanten Inhalte müssen benannt werden und was in der Einleitung nicht vorkommt, sollte auch später in der Arbeit nicht vorkommen. Aus diesem Grund wird oft geraten, die Einleitung erst zu verfassen, wenn der Rest der Arbeit bereits fertig ist. Dagegen spricht, dass es durchaus sinnvoll ist, sich der Arbeit insgesamt systematisch zu nähern und sich mit dem Schreiben der Einleitung zu Beginn gedanklich auf den gesamten Prozess einzustellen

HAUPTTEIL

Der Hauptteil empirischer Arbeiten hat immer zwei Bereiche: den Theorieteil und den Praxisteil. Hier werden die konkrete empirische Arbeit und ihre Ergebnisse dargestellt.

Du beginnst also damit, in der Theorie die wichtigsten Begriffe und deren Verständnis im wissenschaftlichen Diskurs zu klären. Hierzu sollte der Theorie so viel Raum gegeben werden, wie nötig ist, um deinen Standpunkt, deine Entscheidung für diese Untersuchung und deren gedankliche Grundlagen zu erklären. Letztere müssen in den Kontext der bereits geführten wissenschaftlichen Diskussion eingebunden werden. Dazu ist es allerdings nicht wichtig, die gesamte Wissenschaftsgeschichte aufzurollen oder jede bereits in dem gewählten Kontext relevante Studie in den Details ihrer Methoden und Resultate darzustellen.

Hinweis: Wichtig ist, dass du vermittelst, die entsprechenden Arbeiten zu kennen und darstellen kannst warum du dich dafür entschieden hast, deine eigene Studie so anzulegen, wie du es getan hast.

Den Übergang zwischen Theorie- und Praxisteil bildet die Darstellung deiner Hypothesen. Dies kann als abschließende Konsequenz aus dem Theorieteil an dessen Schluss erfolgen oder als Einstieg in den Praxisteil an dessen Beginn.

Der Praxisteil wiederholt den logischen Ablauf der Studie: Am Anfang stehen die Hypothesen, es folgt die Begründung für die von dir ausgewählte empirische Methode, dann die Beschreibung von Stichprobe und Studiendesign, die Darstellung der verwendeten Materialien (Fragebögen, Interviews, Erfassungs- oder Auswertungsbögen für Inhaltsanalysen oder Beobachtungen etc.) und schließlich eine genaue Schilderung des Ablaufs.

Als Nächstes werden die Ergebnisse präsentiert, wobei hier – soweit erforderlich bzw. gewollt – mit den univariaten Merkmalen begonnen wird, es schließen sich dann die der bi- und multivariaten Datenanalysen an.

Hinweis: In diesem Kontext findet noch keine Interpretation statt, diese Abschnitte sind rein deskriptiv.

Allerdings ist es wichtig, hier alle statistischen Daten einzubringen, die für die Beurteilung der Reliabilität und Validität der Ergebnisse von Bedeutung sind. An diese sehr formale und ganz auf mathematische Größen fixierte Darstellung der Untersuchungsergebnisse knüpft der letzte Abschnitt des Hauptteils an, in dem nun die Interpretation der ermittelten Werte im Hinblick auf die jeweiligen Hypothesen vorgenommen und somit die Resultate gewichtet werden.

FAZIT

Im letzten Abschnitt werden die Ergebnisse der eigenen Forschung noch einmal zusammengefasst und in den Zusammenhang des wissenschaftlichen Diskurses eingeordnet und bewertet. In der Regel schließt dies auch Vorschläge oder Hinweise zur möglichen sinnvollen Fortsetzung der Forschung zu dem entsprechenden Topos mit ein.

Hinweis: Man kann also sagen, dass der Schlussteil die Brücke schlägt von der Vergangenheit (bisherige Forschung) über die Gegenwart (eigene Studie) zur Zukunft (mögliche weitere Untersuchungen zu Aspekten dieses Gegenstands).

Was die numerische Gliederung betrifft, so ist darauf zu achten, dass jedem relevanten, in sich geschlossenen Abschnitt ein Gliederungspunkt innerhalb der entsprechenden Hierarchie zugeordnet wird. Das lässt sich nicht in ein allgemein verbindliches Modell bringen, da die Zahl der zu definierenden Begriffe, der relevanten Theorien, Aussagen, früheren Studien ebenso individuell und themenabhängig ist, wie jedes Forschungsdesign verschieden von anderen ist. Da du ja für den Theorieteil ohnehin bereits vorhandene Untersuchungen bearbeiten musst, kannst du dir dabei entsprechende Inspiration holen, falls du hinsichtlich der Gliederung an sich oder der jeweiligen Hierarchie unsicher bist.