Studieren mit Legasthenie/Dyslexie

Eine Legasthenie stellt Betroffene im Studium vor besondere Herausforderungen.

Erfolg seit 2004

Eine Legasthenie oder auch Dyslexie (Lese-Rechtschreib-Störung) stellt Betroffene im Studium vor besondere Herausforderungen. Mögliche Probleme ergeben sich dadurch, dass im Rahmen von Vorlesungen, Seminaren und Prüfungen Lerninhalte innerhalb kürzester Zeit erfasst und verarbeitet werden müssen, was aber für Legastheniker:innen oft nicht oder nur unter grossem Stress möglich ist. Eine schlechte Rechtschreibung kann zudem zu Punktabzug und somit schlechteren Klausurergebnissen führen. Insbesondere in Prüfungsphasen kann dies Studierende mit Legasthenie so sehr belasten, dass sie das Prüfungspensum nicht in dem vorgegebenen Zeitrahmen absolvieren können. An allen Universitäten gibt es jedoch Beratungsstellen und Ansprechpartner:innen, die Menschen mit Legasthenie helfen und die Studienbedingungen an deren individuelle Bedürfnisse anpassen können.

Wer kann mich als Legastheniker:in im Studium unterstützen?

Es gibt den sogenannten Nachteilsausgleich, der von jeder Universität in Deutschland angeboten wird. Es handelt sich hierbei um Massnahmen für Menschen mit chronisch-somatischen und psychischen Erkrankungen. Studierende mit Legasthenie können den Nachteilsausgleich bei der Universität selbst bzw. bei den entsprechenden Ansprechpartner:innen für Studierende mit chronischen Krankheiten oder Behinderungen beantragen. Wird der Antrag bewilligt, wird das Studium an die individuellen Bedürfnisse der Studierenden angepasst. Für Studierende mit Legasthenie bedeutet dies insbesondere, dass der Zeitdruck aus den Studienveranstaltungen herausgenommen wird. Das heisst, es wird den Studierenden mehr Zeit gewährt, ein Seminar oder eine Prüfung abzuschliessen, so dass sich in Ruhe mit den Studieninhalten auseinandersetzen können. Auf der Webseite des Deutschen Studentenwerks stehen Informationen zu dem Nachteilsausgleich zur Verfügung. Bei der Beantragung des Nachteilsausgleichs ist jedoch zu beachten, dass hier die Legasthenie als psychische oder seelische Erkrankung eingestuft wird. Dies ist aus Sicht der Betroffenen oft nicht zutreffend, da eine Legasthenie zwar mit psychischen Problemen und Stigmatisierung einhergehen kann, jedoch nicht bei allen Legastheniker:innen zu einer psychischen Erkrankung führt. Es kann den Studierenden daher schwerfallen, sich als psychisch krank einstufen zu lassen, um den Nachteilsausgleich zu erhalten.

Begriffsbedeutung Legasthenie:

Lateinisch legere: ‚lesen‘
und altgriechisch asthéneia: ‚Schwäche‘,
also ‚Leseschwäche‘

Neben dem Nachteilsausgleich und gewährleisteten Zeitverlängerungen bieten viele Universitäten besondere Beratungs- und Unterstützungsangebote für Legastheniker:innen an. Zur Erleichterung von Prüfungssituationen kann ein solches Angebot beispielsweise das Ersetzen einer Klausur durch eine mündliche Prüfung beinhalten, das Durchführen der Prüfung anhand von Multiple-Choice-Fragen zum Ankreuzen, so dass nichts selbst geschrieben werden muss, oder eine Prüfung am PC, bei der fehlerhafte Rechtschreibung automatisch korrigiert wird. Auch die Verwendung von Vorlesesoftware oder Schreibprogrammen kann sinnvoll dazu beitragen, auch komplexe und umfangreiche Inhalte besser zu verstehen und Arbeiten mit korrekter Rechtschreibung abzuliefern. Legastheniker:innen leiden häufig an einem geringen Selbstwertgefühl und haben Angst davor, den an sie gestellten Anforderungen nicht gerecht zu werden. Dem kann im Studium entgegengewirkt werden, indem die Studienumgebung so angenehm wie möglich gestaltet wird. Denkbar ist hier auch die Unterstützung durch eine Vertrauensperson.

Wie kann ich mich als Legastheniker:in selbst optimal auf den Studienalltag einstellen?

Begriffsbedeutung Dyslexie:

Altgriechisch δυς dys: ‚schlecht/schwer‘
und λέξις léxis: ‚Sprache/Redeweise‘
also ‚schlechte/falsche Wiedergabe/Redeweise‘

Wichtig ist es, zu bedenken, dass Legastheniker:innen dieselben intellektuellen Fähigkeiten haben wie ihre Mitstudierenden und die Studieninhalte für Betroffene daher gut erlernbar sind. Es gilt jedoch, die Art des Lernens an die individuellen Bedürfnisse anzupassen. Obwohl es Legastheniker:innen häufig ein Anliegen ist, dass ihre Lese- und Rechtschreibschwäche möglichst nicht auffällt, so ist es im Studium dennoch wichtig, sich mögliche Nachteile durch die Legasthenie einzugestehen und Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dies erfordert oft die Anerkennung der Legasthenie als Behinderung, auch wenn dies anfänglich schwerfallen kann. Eine solche Anerkennung qualifiziert Studierende mit Legasthenie jedoch am umfangreichsten für die verfügbaren Hilfsangebote. Sie erleichtert das Studium – nicht zuletzt möglicherweise auch durch finanzielle Unterstützung im Rahmen der Eingliederungshilfe für behinderte Menschen als ausbildungsgeprägter Mehrbedarf. Hierdurch können Studierende mit Legasthenie bestimmte Hilfsmittel, wie beispielsweise Studien- und Kommunikationsassistenten oder einen PC mit Vorleseprogrammen, finanziert bekommen. Die Unterstützung muss hierbei nicht auf die Vorlesungs- und Prüfungszeit beschränkt sein, sondern es kann auch eine Assistenz für den Studienalltag und für organisatorische Aufgaben beantragt werden.

«Legasthene und dyskalkule Menschen haben eine besondere Informationsverarbeitung und dadurch bedingt eine besondere Lernfähigkeit, welche an die pädagogisch-didaktische Interventionsebene hohe Anforderungen stellt.» Dr. Astrid Kopp-Duller, 2010

Fazit zum Studieren mit Legasthenie:

Studierende mit Legasthenie können ihr Studium genauso erfolgreich absolvieren wie ihre Mitstudierenden, solange sie ihre individuellen Bedürfnisse erkennen und entsprechende Unterstützungsangebote in Anspruch nehmen.

Legasthenie: Lese-Rechtschreib-Störung

In einfacher Sprache

Kurzfassung dieses Textes in Einfacher Sprache:

Studierende sind alle Menschen, die studieren.

Manche Studierende leiden unter einer Lese-Rechtschreib-Störung. Das heißt: Sie können nicht so schnell lesen. Und sie können nicht so gut schreiben. Der Fach-Begriff für diese Störung heißt: Legasthenie.

Für Studierende mit Lese-Rechtschreib-Störung ist Studieren oft besonders schwierig. Sie sind genauso schlau wie andere Studierende. Aber wegen der Lese-Rechtschreib-Störung haben sie oft Probleme.

Häufige Probleme sind:

  • In Prüfungen ist oft keine Zeit. Auch im Unterricht ist oft keine Zeit. Und Studierende mit Legasthenie können die Inhalte nicht schnell genug verstehen.
  • Viele Studierende mit Lese-Rechtschreib-Störung können nicht schnell schreiben.
  • Oft bekommen Studierende mit Lese-Rechtschreib-Störung schlechte Noten. Weil sie wenig Zeit in den Prüfungen haben.
  • Studierende mit Lese-Rechtschreib-Störung schaffen das Studium oft nicht so schnell.

Unter den Problemen leiden viele Studierende mit Lese-Rechtschreib-Störung. Und Studierende mit Lese-Rechtschreib-Störung fühlen oft starken Druck.

Die Lese-Rechtschreib-Störung ist eine Behinderung. Diese Behinderung müssen Ärzte und Ärztinnen bestätigen. Das ist wichtig. Weil Studierende mit Lese-Rechtschreib-Störung dann Hilfe bekommen.

Diese Hilfe-Angebote gibt es für Studierende mit Lese-Rechtschreib-Störung:

  • Studierende mit Lese-Rechtschreib-Störung können einen Nachteils-Ausgleich beantragen. Dann haben sie weniger Zeit-Druck. Sie bekommen in Prüfungen mehr Zeit. Oder sie müssen keine Texte mehr schreiben. Zu dem Nachteils-Ausgleich steht mehr auf der Web-Seite vom Deutschen Studentenwerk. Für den Nachteils-Ausgleich müssen Studierende mit Lese-Rechtschreib-Störung einen Antrag ausfüllen.
  • Studierende mit Lese-Rechtschreib-Störung können Geld bekommen. Damit können Studierende mit Lese-Rechtschreib-Störung Hilfs-Mittel kaufen. Zum Beispiel Vorlese-Programme und Schreib-Programme für den PC.
  • Die Unis bieten Beratung für Studierende mit Lese-Rechtschreib-Störung an. Auch Vertrauenspersonen können helfen. Der Alltag im Studium soll angenehm sein.

Studierende mit Lese-Rechtschreib-Störung haben ein Recht auf Hilfe. Diese Hilfe sollen sie annehmen. Das ist wichtig. Denn dann können sie auch erfolgreich studieren.

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