Studieren mit ADHS

Studium und ADHS passt das zusammen? ADHS beeinträchtigt betroffene Menschen im Alltag. Es stellt sich die Frage, ob ein Studium dann überhaupt möglich ist. Kann man trotz möglicher akademischer und sozialer Defizite erfolgreich studieren?

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Besondere Herausforderungen für Studierende mit ADHS

ADHS:

Aufmerksamkeitsdefizitstörung und/oder
Hyperaktivitätsstörung

Studierende mit ADHS sind möglicherweise durch die Tagessituation im Studium stärker gestresst als ihre Mitstudierenden. Der Studienalltag ist oft unstrukturiert, Seminarräume und Hörsäle sind überfüllt, die Prüfungstermine in Prüfungsphasen sind oft sehr eng getaktet und ein Studium erfordert ein hohes Mass an Eigenmotivation bei gleichzeitig geringer Motivation von aussen. In Seminaren, Vorlesungen und Prüfungen muss man sich zudem über mehrere Stunden hinweg konzentrieren. Hierdurch entstehen ein hoher Zeit- und Leistungsdruck und gleichzeitig auch sozialer Stress durch die vielen Mitstudierenden. Die Grundvoraussetzungen für ein erfolgreiches Studium, die Selbstmotivation und Selbststrukturierung, fehlen Menschen mit ADHS oft, so dass sie sich im Studium plötzlich zahlreichen Stressoren gegenübersehen und damit täglich fertig werden müssen.

Unterstützungsangebote für Studierende mit ADHS

Mit Sicherheit stellen sich für Menschen mit ADHS im Studium besondere Schwierigkeiten, jedoch gibt es auch zahlreiche Angebote, die bei der Überwindung dieser Schwierigkeiten helfen können. Als erstes ist hier der sogenannte Nachteilsausgleich zu nennen. Dieser wird von jeder Universität in Deutschland angeboten. Er wurde für Menschen mit chronischen somatischen Erkrankungen und psychischen Erkrankungen entwickelt. Man beantragt den Nachteilsausgleich bei der Universität selbst und beschreibt im Rahmen des Antrags die Symptome und empfundenen Schwierigkeiten im Studium, so dass die Massnahmen individuell an die Bedürfnisse der Studierenden angepasst werden können. Jede Universität hat Beauftragte oder Berater:innen, die als direkte Ansprechpersonen für Studierende mit chronischen Krankheiten oder Behinderungen zur Verfügung stehen. Vorab kann man sich auf der Webseite des Deutschen Studentenwerks über den Nachteilsausgleich informieren. Bei Bewilligung treten für die Antragsteller:in besondere Massnahmen in Kraft, die ihm oder ihr bei der Bewältigung der Probleme mit dem Studium helfen können.

Im Falle von Menschen mit ADHS geht es hier im Wesentlichen um zwei Aspekte: den akuten Zeitdruck aus dem Studienalltag herauszunehmen und mehr Zeit für Aufgaben und Prüfungen zu geben.

Zudem kann ein empfundener Sozialdruck dadurch erleichtert werden, dass Studierende ihre Prüfungen und Klausuren ohne andere Studierende, beispielsweise in einem separaten Raum, ablegen dürfen.

Zusätzlich zum Nachteilsausgleich gibt es in manchen Bundesländern zielgerichtete Programme, um Menschen mit ADHS im Studium zu unterstützen. In Bayern wurde beispielsweise das Netzwerk „Studium und Behinderung in Bayern“ der bayrischen Hochschulverbände ins Leben gerufen, das sich im Jahr 2021 gezielt den besonderen Problemen von Studierenden mit ADHS gewidmet hat und Beratungsleistungen ausbauen möchte, die über den Nachteilsausgleich hinausgehen.

Wie kann ich mir selbst als Studierende:r mit ADHS den Studienalltag erleichtern?

Neben Unterstützungsprogrammen, die den Studienalltag erleichtert sollen, stellt sich die Frage, ob bestimmte Studiengänge oder Studienformen für Studierende mit ADHS besonders geeignet sind. Generell sollte die Wahl des Studienfaches nach den persönlichen Interessen erfolgen und auch Menschen mit ADHS sollten einen Studiengang wählen, der sie besonders interessiert. Wenn einem die meisten Themengebiete und Fächer in einem Studiengang Spass machen, ist es auch wahrscheinlicher, dass man mit den Anforderungen zurechtkommt und die Prüfungen besteht. Da ein Studium ein hohes Mass an Eigeninitiative erfordert, aber Studierende selten von anderen motiviert werden, ist es für Studierende mit ADHS besonders wichtig, ihren Tagesablauf und ihr Umfeld während des Studiums gut zu planen und sich bestmöglich zu organisieren. Dies beginnt mit der Wahl der Unterkunft: Eine Wohngemeinschaft oder ein Zimmer in einem Studentenheim ist wahrscheinlich eine unruhigere Umgebung als beispielsweise eine kleine eigene Wohnung. Meist gibt es im Studium keinen konkreten Wochenplan, sondern die Studierenden suchen sich aus dem Vorlesungsverzeichnis die Veranstaltungen heraus, an denen sie in einem Semester teilnehmen möchten oder müssen.

Da regelmässige Abläufe für Studierende mit ADHS besonders wichtig sind, kann eine genaue Semester- und Wochenplanung, ähnlich einem Stundenplan in der Schule, Struktur in den Studienalltag bringen.

Um die Konzentration zu fördern und ein Abschweifen von Lerninhalten zu verhindern, könnten sich kleine Lerngruppen mit anderen Studierenden als unterstützend erweisen. Je strukturierter und unterstützender das Studienumfeld und wiederkehrende Rituale gestaltet sind, desto weniger besteht die Gefahr, abzuschweifen oder abgelenkt zu werden und dann mit den erforderlichen Aufgaben nicht fertig zu werden.


Fazit:

Studium mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung:

Die Erfolgsgeschichte von Studierenden mit ADHS beginnt bereits vor dem Studium: Mit einer gut überlegten Wahl des Studienfachs gemäß den persönlichen Interessen und einer sorgfältigen Planung des Studienalltags können Menschen mit ADHS ein Studium erfolgreich abschliessen.

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